Internetseite zwischen Fincas und
Luxusjachten für unser Portal", erzählt der 33-jährige
Netzwerkprofi.
Während das Affiliate- oder Synergiemarketing hier zu Lande
noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es in den USA mittlerweile
kaum noch ein Internet-Unternehmen, das auf diese zusätzliche
Umsatzquelle verzichtet. Als eines der ersten Unternehmen weltweit
nahm 1996 der Bücherkonzern Amazon die ersten Werbepartner
auf seiner Webseite mit ins Boot. Heute profitieren über 350.000
Firmen vom Onlinegeschäft des Bücherriesen.
Über die in Deutschland via Affiliatemarketing erzielten Umsätze
gibt es noch keine Statistik. Aktuelle Studien rechnen dem an der
sensiblen Schnittstelle zwischen Werbung und Vertrieb angesiedelten
Werbemedium als Alternative zur ebenso teuren wie oft ineffizienten
Bannerwerbung jedoch rasch wachsende Marktchancen zu. Nach einer
Prognose von Forrester Research wird in den USA bis zum Jahr 2004
jeder zweite Dollar im E-Commerce über Affiliates umgesetzt
werden. In Europa liegt der über Partner-Netzwerke erzielte
Umsatz der gleichen Quelle zufolge zwar erst bei 11 Prozent. Jupiter
Communications rechnet jedoch damit, dass dieser Anteil schon in
den nächsten Jahren auf bis zu 25 Prozent steigen könnte
- bei einem Gesamtmarktvolumen des E-Commerce von knapp 200 Mrd.
Euro.
Das inländische Provisionsgeschäft im Internet händeln
bis jetzt erst vier große Netzwerkbetreiber, drei Software-Entwickler
sowie etwa zwei Dutzend Verkaufsprofis wie Ron Hillmann. Versuche
von amerikanischen Affiliate-Riesen wie dem Marktführer "Commission
Junction", auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, schlugen
bisher fehl.
Mittelständische deutsche Unternehmen wie das Stuttgarter Online-Handelshaus
Novodrom.com, das seine Produkte ausschließlich über
Marktplätze und Portale verkauft, schätzen das Affiliatemarketing
vor allem als Hebel zu mehr Reichweite. "Wir standen vor der
Wahl, entweder viel Geld in klassische Marketingkampagnen zu investieren
oder aber ein Partnerprogramm aufzusetzen", berichtet Geschäftsführer
Thomas Stark (30). Bereits nach wenigen Wochen habe Novodrom nicht
nur die Online-Verkäufe um 30 Prozent steigern, sondern auch
seine Marketingkosten um 40 Prozent senken können.
Nach Einschätzung von erfahrenen Netzwerkmanagern wie Hillmann
eignet sich das neue Werbemedium zum einen für Firmen, die
einen soliden Onlinevertrieb aufbauen wollen. Zum anderen sei Affiliatemarketing
gerade auch für mittelständische Unternehmen mit Bedarf
an raschem Wachstum ihrer Werbekontakte interessant, meint der Kontakter.
Denn es steigere die Popularität der Marke im Netz, trage mithin
zur besseren Platzierung der Firmen-Homepage auf den Suchmaschinen
bei.
Entscheidend sei jedoch der strategische Kundengewinn. Hillmann:
"Wer heute als Partner meine Webseite bewirbt, kauft oder verkauft
vielleicht morgen schon meine Produkte über seine Seite."
Als Werbepartner kämen vor allem solche mit hohem "Synergiepotenzial"
in Frage, also für die Immobilienscouts vor allem Firmen aus
den Sparten Bauen, Einrichten und Wohnen, ferner Makler, City- und
Familienportale.
Einer der jüngsten und zugleich technisch innovativsten Anbieter
von elektronischen Vertriebsnetzwerken ist die im April 2000 gegründete
Zanox AG, mit der auch die Immobilienscouts und Novodrom kooperieren.
Mit über 10.000 angeschlossenen Betreiber-Seiten und monatlich
rund einhundert Millionen Werbemittelkontakten gehört das Berliner
Unternehmen schon jetzt zu den größten Netzwerkbetreibern
Europas. Der Online-Dienstleister verhilft seinen Kunden nicht nur
zu einem professionellen Auftritt im Internet, bis hin zur audiovisuellen
Präsentation ihrer Produkte. Er kümmert sich auch um den
technischen Support, Kundenbetreuung und Vertrieb sowie die gesamte
Abrechnung des Werbeumsatzes via Affiliate.
"Wir sind als letzte auf den Markt gekommen, können dafür
aber mit einer ausgereiften Technik aufwarten", wirbt Zanox-Marketingvorstand
Thomas Heßler für sein Produkt. Über ein Jahr tüftelte
der 33-jährige zusammen mit seinen Mitstreitern Heiko Rauch
(32) und Jens Hewald (29) an ihrem virtuellen Vertriebssystem, bevor
sie im August 2000 online gingen.
Während früher lediglich große Internet-Unternehmen
wie Amazon von dieser Werbeform profitieren konnten, seien hierzu
nunmehr grundsätzlich alle Besitzer von elektronischen Werbeflächen
"bis hin zu Privatpersonen mit eigener Homepage, E-Mail-Adresse
oder Mailbox" imstande, erklärt Heßler. Zanox biete
schlüsselfertige Lösungen für jedes E-Commerce-System
sowie einen umfassenden Service bis zum kompletten Outsourcing des
Vertriebs. Zudem könnten Unternehmen nun erstmals auch ihre
Marketingkampagnen vom ersten Anschauen der Homepage bis hin zum
Verkaufserfolg präzise messen, auswerten und fortlaufend effektivieren,
etwa tägliche Sonderangebote ins Netz stellen. "Insgesamt
also ein großer Mehrwert", findet der diplomierte Wirtschafts-informatiker,
zumal Prämien und Provisionen nur im Erfolgsfall fällig
würden.
Dreißig Prozent der Prämie behält die Zanox AG als
Intermediär "on top" als Provision ein. Für
die schlüsselfertige Bereitstellung des Affiliate-Programms,
Einweisung und Einbindung in die eigenen Marketing-maßnahmen
berechnet das Unternehmen einen vom Leistungspaket abhängigen,
"fünfstelligen" DM-Betrag, hinzu kommen Kosten für
die Datenpflege. Die Preise seien im internationalen Vergleich moderat,
betont Heßler. So kassierten US-Affiliatebetreiber neben den
Provisionen mittlerweile monatlich bis zu 5.000 Dollar Netzgebühren.
Die Provisionshöhe je "view, click, lead und sale"
oder E-Mail legt jedes Unternehmen selbst gemäß der Wertigkeit
des jeweiligen Werbepartners fest. So zahlen die Immobilienscouts
ihren Partnern zwischen zehn und 90 Pfennigen je Klick, während
der Büroartikelhersteller mypaper.de eine zehnprozentige Umsatzbeteiligung
und zehn Pfennig Klickprämie zusagt. "Die fanden in drei
Wochen 400 neue Vertriebspartner über unser Netzwerk und machen
inzwischen 30 Prozent ihres Umsatzes mit Affiliatemarketing",
freut sich Heßler mit seinem Kunden der ersten Stunde.
Als Verwalter der Guthabenkonten ihrer Affiliates behält die
Zanox AG den Überblick, ob die am Netzwerk beteiligten Unternehmen
liquide sind und die Prämien auch tatsächlich auszahlen.
Heßler: "Wir verlangen von den Herstellern Vorkasse.
Ist ein Konto nicht gedeckt, gibt es eine automatische Zahlungsaufforderung
und Mitteilung an alle Partner. Wer dann immer noch nicht zahlt,
fliegt aus dem Netzwerk, was übrigens auch für Partnerseiten
mit sexistischem oder rassistischem Inhalt gilt."
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